Lesedauer: ungefähr 6 Minuten

Crowdsourcing - Definition, Anwendungen, Vorteile

Der Begriff „Crowdsourcing“ tauchte zum ersten Mal in einem Artikel des Journalisten Jeff Howe im US-amerikanischen Magazin „Wired“ auf und verbreitete sich schnell im internationalen Sprachgebrauch. Der Begriff ist ein Neologismus, setzt sich aus den englischen Begriffen „Crowd“ und „Outsourcing“ zusammen und bezeichnet die Auslagerung unternehmerischer Aufgaben an eine undefinierte Personengruppe, die „Crowd“.

Crowdsourcing - Definition

Crowdsourcing bezeichnet die Auslagerung von unternehmerischen Aufgaben an eine nicht näher definierte Öffentlichkeit. Die Grundthese für solch eine Aufgabenaufteilung zwischen Unternehmen und einer Crowd stellte Howe in seinem Artikel für das Magazin „Wired“ auf: Er postulierte, dass Open-Source-Prinzipien – Digital organisierte Informatiker schaffen kollektiv frei verfügbare und kostenlose Software – auch auf privatwirtschaftliche Probleme angewandt werden können. Eines der erfolgreichsten und bekanntesten Crowdsourcing-Projekte der jüngeren Geschichte ist das Lexikon Wikipedia, für das tausende Autoren Beiträge verfassen.

Nach Nicole Martin, Stefan Lessmann und Stefan Voß ist Crowdsourcing als eine interaktive Form der Leistungserbringung, die kollaborativ oder konkurrierend organisiert ist und eine Vielzahl von Akteuren mit unterschiedlichen Fähigkeit auf Basis moderner Online-Kommunikationsmittel miteinschließt, definiert. Crowdsourcing kann, muss allerdings nicht notwendigerweise wirtschaftliche Vorteile für die Mitglieder der Crowd implizieren.

Eine immer häufiger anzutreffende Form des Crowdsourcings ist das Crowdworking. Dabei werden konkrete unternehmerische Problemstellungen an eine Crowd ausgelagert, welche dieses Problem kollaborativ oder konkurrierend, unentgeltlich oder mit finanziellem Anreiz löst. Doch Crowdsourcing umfasst nicht nur die konkrete Lösung unternehmerischer Probleme. Auch Innovationsprozesse können von Unternehmen an eine Crowd ausgelagert werden. Im Zuge dieses Prozesses können zum Beispiel Ideenwettbewerbe ausgerichtet oder Feedbacks gesammelt werden. Eine besondere Form dieser Art des Crowdsourcings ist das sogenannte Crowdtesting, bei der eine Zahl an Usern Software oder Apps testet und dem Entwickler anschließend Feedback gibt. Auch das Crowdfunding ist eine Form des Crowdsourcings. Hier wird allerdings nicht um die Arbeitsleistung der Crowd, sondern um deren Kapital geworben.

Crowdsourcing - Bedingungen

Für ein Unternehmen mag es verlockend wirken, die kollektive Intelligenz der Öffentlichkeit zur Lösung unternehmensspezifischer Probleme zu nutzen. Es gibt allerdings enge Grenzen und grundlegende Anforderungen, die für ein Crowdsourcing gelten und erfüllt sein müssen. Erste Herausforderung ist es, sich an die richtige Crowd für das Unternehmensproblem zu wenden. Je nachdem, welchem Fachgebiet oder welcher wissenschaftlichen Disziplin das Problem entstammt, muss eine entsprechende Zielgruppe oder Community fokussiert werden. Diese kann anschließend für die Problemlösung engagiert werden. Die zweite Anforderung richtet sich an die Kommunikation zwischen Unternehmen und Crowd. Hier muss der gegenseitige Respekt gewahrt werden. Das Unternehmen muss sich zudem immer bewusst sein, dass hinter dem anonymen Begriff Crowd eine Vielzahl individueller Persönlichkeiten steckt, die alle mit unterschiedlichen Bedingungen konfrontiert sind und unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Schlussendlich müssen die geltenden gesetzlichen Regelungen des Arbeits- und Steuerrechts beachtet werden, damit das Crowdfunding auf einer soliden gesetzlichen Grundlage steht.

Eine besondere Herausforderung für Unternehmen ist es, einer Crowd einen Anreiz für die Lösung eines Problems zu geben. Nur in wettbewerblich organisierten Crowdsourcing Kampagnen ist es möglich, monetäre Anreize zu setzen. Doch wenn ein Unternehmen eine kooperative Crowdlösung anstrebt, ist es nur schwer möglich, allen Individuen einer Crowd monetäre Anreize zu setzen. Stattdessen müssen andere Motivationen geboten werden, die eine Crowd zu einer Problemlösung anreizen. So kann ein Unternehmen darauf setzen, dass Individuen einer Crowdsourcing Plattform über ein Problem einen Lerneffekt erzielen und dies für die Lösungsentwicklung Anreiz genug ist. Auch die Möglichkeit, kollektiv ein Problem zu lösen, kann einen Anreiz für die Individuen einer Crowd darstellen. Einen besonderen Anreiz kann außerdem die Möglichkeit bieten, an der Konzeption eines neuen Produktes oder eines neuen technischen Standards mitzuwirken. Diese Motivation durch Partizipation ist ein wesentlicher Treiber für eine Crowd, unentgeltlich Arbeit zu investieren.

Kritik und Vorteile des Crowdsourcings

Die ersten Crowdsourcing Projekte, wie zum Beispiel Wikipedia, unterlagen kaum der Kritik und wurden und werden in erster Linie als positiv wahrgenommen. Mit der zunehmenden Ökonomisierung wuchs jedoch auch die Kritik insbesondere am Phänomen des Crowdworkings, während andere Formen des Crowdsourcings wie Crowdfunding oder Crowdtesting nicht betroffen waren. Im Vordergrund der ersten Welle der Kritik, die Mitte der 2000er Jahre aufkam, standen vor allem Fragen der sozialen Absicherung, des Urheberrechts und der Bezahlung. Ein aktueller Kritikpunkt ist, dass sich über Crowdsourcing Plattformen ein großer Markt für Mikrojobs etabliert hat, der sich insbesondere durch geringe Bezahlung, Jobunsicherheit und eine extreme Konkurrenzsituation auszeichnet. Diesem Problem stehen Gewerkschaften und Politik bisher machtlos gegenüber. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat in diesem Kontext 2016 vor einem „Schattenarbeitsmarkt im Internet“ gewarnt. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann kritisierte zudem, dass bezüglich Crowdsourcing und Crowdworking ein Mangel gesetzlicher Vorgaben besteht und beide Arbeitsformen insbesondere Jobs, die primär aus Routineaufgaben bestehen, vernichten könnten.

Dieser Kritik gegenüber stehen die Vorteile, die das Crowdsourcing sowohl für die Individuen einer Crowd als auch für Unternehmen hat. Jede Art des Crowdsourcings, sei es Crowdworking, Crowdtesting oder Crowdfunding, überzeugt durch Flexibilität. Denn durch die Organisation von Prozessen über Online-Plattformen können Aufgaben jederzeit und überall auf der Welt ausgeführt werden, sofern ein Internet Zugang besteht. Für Teilnehmer einer Crowd bedeutet dies, dass sich bezüglich bezahlten Crowdworkings flexibel Geld verdienen lässt. Auch alle anderen Vorteile des Crowdsourcings lassen sich orts- und zeitunabhängig ausnutzen. Über Crowdfunding können Individuen ihr Geld viel kontrollierter und gezielter anlegen, als dies auf herkömmlichen Wege möglich wäre. Über Crowdtesting können alle Mitglieder einer Crowd die von ihnen genutzte Software verbessern. Unternehmen profitieren von der „Weisheit der Vielen“, indem sie Innovationsprozesse beschleunigen und Expertenwissen zu geringen Kosten einkaufen können. Zusätzlich erlaubt Crowdsourcing Unternehmen einen viel direkteren Zugang zu Feedback und Rückmeldungen. Durch die Unmittelbarkeit des Crowdsourcings erhöht sich gleichzeitig die Verarbeitungsgeschwindigkeit innerhalb von Prozessen und die Vielfalt der Gedankeninputs. Gleichzeitig werden Prozesse durch den Einbezug einer Crowd viel leichter skalierbar als dies bei herkömmlicher Arbeitsorganisation möglich wäre. Unternehmen stehen zudem mit Hilfe von Crowdfunding viel direktere Formen der Finanzierung zur Verfügung.

Gängige Crowdsourcing und Crowdworking Plattformen

Analog zur enormen Bandbreite wirtschaftlicher Problemstellungen und Bedürfnisse wurden in den letzten Jahren viele unterschiedliche Crowdsourcing Plattformen gegründet. Viele dieser Angebote fokussieren sich auf Crowdworking und die Vermittlung von kleineren und größeren Aufträgen, so zum Beispiel auf Texterstellung, Übersetzungen, Recherchen und Produktdatenpflege. Hier sind zum Beispiel die Plattformen „Clickworker“ und „Amazon mechanical turk“ zu nennen.

In den letzten Jahren sind zudem mehrere Crowdsourcing Plattformen mit Fokus auf Design am Markt erschienen. Hier ist vor allem die Plattform „99Designs“ zu nennen, die sich durch die Professionalität der Mitglieder und hochqualitative Arbeiten hervortut. Auch Crowdtesting wird über Online-Plattformen organisiert. Gängige Beispiele für diese Form der Crowdsourcing Organisation sind zum Beispiel die Plattformen „rapidusertests“ und „Testbirds“. Auf beiden können Webseiten und Apps getestet und intuitiv bewertet werden.

Eine Plattform, die all diese Aufgabenbereiche abdeckt und entsprechende Freelancer vermittelt, ist WorkGenius. Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot haben, schreiben Sie uns an info@workgenius.com.