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Lokalisierung oder Übersetzung?

Auf dem Weg zu neuen Märkten werden sich immer wieder sprachliche und kulturelle Barrieren in den Weg stellen. Auf dem Weg in digitale und internationale Märkte kommen Sie an der Übertragung Ihrer Botschaften, Inhalte und Angebote in verschiedene Sprachen nicht mehr vorbei. Dies ist grundlegend notwendig, damit Ihr Projekt in einer fremden Sprache und Kultur Fuß fassen kann. Egal, ob Sie Ihre Texte, Webseiten, Videos oder andere Medien intern von Ihren eigenen Mitarbeitern oder extern von Freelancern oder einer Agentur in eine oder mehrere Fremdsprachen übertragen lassen - je nach Zielgruppe und Zweck müssen sie verschiedene Anforderungen erfüllen. Manchmal reicht eine wortwörtliche Übersetzung nicht aus, um den lokalen Besonderheiten gerecht zu werden. Deshalb ist es wichtig, die Unterschiede zwischen einer Übersetzung und einer Lokalisierung zu kennen.

Was ist unter den Begriffen Lokalisierung und Übersetzung zu verstehen?

Häufig werden Übersetzung und Lokalisierung in ihrer Bedeutung und als Prozess gleich gesetzt, obwohl unterschiedliche Sachverhalte damit gemeint sind.

Mit Übersetzung wird der Prozess bezeichnet, wenn ein Inhalt (Webseite, digitaler Content, Software oder ein anderes Textdokument) von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache übertragen wird. Der direkte Austausch eines Wortes durch das Pendent in der Zielsprache ist in den meisten Fällen nicht zielführend, sondern es entstehen lustige Texte, die keinen Sinn ergeben. Oftmals ist dieses Phänomen zu beobachten, wenn ein computergestütztes Übersetzungssystem ohne menschliches Lektorat eine Übersetzung anfertigt. Auch in der Produktdokumentation kann diese Form der maschinellen Übersetzung vorkommen.

Lokalisierung umfasst einen breiteren Kontext. Hier führt der freie Mitarbeiter nicht nur die Übersetzung durch, sondern er nimmt zielgenaue Anpassungen der Übersetzung für den Zielmarkt vor. Neben der Dienstleistung des Übersetzers, die das Übertragen der Wörter von Ausgangs- in Zielsprache umfasst, analysiert der Freelancer den Zieltext. Dies dient einerseits der Qualitätssicherung, damit die Aussagen aus der Ursprungssprache korrekt wieder gegeben werden. Andererseits betrachtet der freie Mitarbeiter aus der Übersetzung den Zielmarkt. Er stellt sicher, dass ein Produkt oder Text auch in dem neuen kulturellen und sprachlichen Kontext einwandfrei funktioniert. Dafür kann er gegebenenfalls auch nachträgliche Anpassungen vornehmen.

Wo liegt der Unterschied?

Die Übersetzung ist die reine Dienstleistung, bei der ein Freelancer den Content von der Ausgangs- in die Zielsprache übersetzt. Es kann vorausgesetzt werden, dass der Text verständlich, grammatikalisch und orthographisch korrekt ist. Der Übersetzer überträgt den Content, ohne komplett auf den Kontext und die zukünftige Verwendung des Textes zu achten.

Im Gegensatz dazu ist die Lokalisierung eine Erweiterung des ersten Schrittes, weil die kulturellen und speziellen Eigenschaften der Umgebung des Zieltextes mit in die Arbeit einfließen. Die Voraussetzung dazu bildet ein umfangreiches Fachwissen, über Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft in dem Kontext des Zieltextes. Dieses Wissen muss sich der Linguist zuvor erarbeitet haben, damit kulturelle Probleme und doppelte Konnotationen im Ursprungstext bearbeitet werden können. Neben der reinen Textarbeit passt der Linguist auch Layout, Farbgebung und Formate der Textdarstellung an die Gegebenheiten des Umfelds der finalen Version des Contents in der Zielsprache an. Urzeit, Datum, Symbole und Grafiken werden vom freien Mitarbeiter so angepasst, dass das Ergebnis Sinn macht.

Werden diese Änderungen nicht vorgenommen, kann es sein, dass Ihre Übersetzung trotz fachlicher Korrektheit keine Beachtung findet.

Was sind jeweils typische Anwendungsgebiete?

Reine Übersetzungen finden häufig in der Wiedergabe von Geschäftsberichten und Gerichtsunterlagen Anwendung, weil es hier um eine präzise und kontextgetreue Wiedergabe der Informationen auch in der Zielsprache geht. Bedienungsanleitungen fallen auch in diese Kategorie und werden oft direkt nur per Übersetzung abgebildet.

Die Übertragung von Webseiten oder die Präsentation einer Marke in einem neuen Umfeld ist dagegen komplizierter und sollte in jedem Fall von einem Lokalisierungsspezialisten begleitet werden. Hier geht es darum, das Wirken der Marke oder des Produktes zu gewährleisten. Beispielsweise muss ein Freelancer das Design anpassen, weil es so den örtlichen Vorlieben eher entspricht. Auch kann der Humor in der Zielsprache ein anderer sein, weshalb der freie Mitarbeiter auch aktiv Änderungen und Anpassungen am Sprachwitz vornehmen muss. Einige Änderungen haben keinen kulturellen Grund, sondern sind funktional bedingt. Datum, Währung und Uhrzeit sind als solche Faktoren zu benennen.