Freelancing

Digitale Nomaden – Arbeiten von fast überall

23:09 Uhr: Ich arbeite und schreibe noch an einer Produktbeschreibung für einen Online Shop. Und finde absolut nichts Schlimmes daran, im Gegenteil. „Spinnst du Kind, um diese Uhrzeit?“ – würde meine Oma jetzt bestimmt sagen, wüsste sie, dass ich um diese nachtrabende Zeit noch am Rechner sitze. Die ganze Wahrheit ist: Heute habe ich erst um kurz nach 21 Uhr mit dem Arbeiten angefangen. Davor saß ich in der Bucht von Östermalm in der Sonne und habe den einlaufenden Schiffen zugesehen, bin mit dem Bus bis zum Stockholmer Fernsehturm gefahren, habe zufällig einen tollen Weg durch den Wald entdeckt und den Abend in einem kleinen Imbiss in der Altstadt ausklingen lassen.

Das wäre ein rundum perfekter Urlaubstag. Doch dieser muss auch finanziert werden. Glücklicherweise hat das 21. Jahrhundert uns neben Katzenvideos und David Guetta auch mit durchaus sinnvollen Dingen gesegnet. Webseiten, über die du dich zu günstigen Preisen in den Privatwohnungen Einheimischer einnisten, dich nach einem anstrengenden Erkundungstag erholen und im besten Fall auch deren WLAN zum Nulltarif nutzen kannst. Ebenso – und damit kommen wir zurück zum Thema – wie du heutzutage die Möglichkeit hast, ohne großartiges Equipment von überall auf der Welt Geld für deine Reisen oder auch den Alltag zu verdienen. Sei es nun in Sydney, Rio oder eben aus dem netten Apartment in Södermalm.

Arbeiten zu jeder Zeit – an jedem Ort

Tätigkeiten wie die meine können in vielen Lebenslagen passen: im Fernbus (ein schönes Gefühl, noch im Bus das Ticket schon wieder abgearbeitet zu haben!), Sonntagmorgen im Bett (seien wir mal ehrlich: das Bett zu verlassen und zur Arbeit zu fahren, wäre sonntags schon ätzend – mit Laptop und Marmeladenbrot unter der warmen Decke ein bisschen was zu tun ist aber eigentlich ganz okay) oder an der Uni zwischen zwei Seminaren – wann immer man ein wenig Zeit über hat, kann ein wenig Geld dazu verdient werden. Oder mehr Geld. Schließlich herrscht komplette Flexibilität. Ich entscheide selbst, welche Jobs mich interessieren oder zu meinen Fähigkeiten passen. Und wie viel Zeit ich neben anderen Verpflichtungen dafür opfern kann. Wenn ich während der Klausurenphase oder meinem Stockholm-Urlaub mal weniger dazu komme, reißt mir auch kein Chef den Kopf ab. Ich habe ja keinen, sondern entscheide selbst. Welcher Nebenjob bietet schon solche Konditionen?

Als digitaler Nomade arbeiten

Mittlerweile haben zahlreiche Menschen rund um den Globus die Vorzüge dieser Art zu arbeiten erkannt. Neben solchen, die Online Jobs als nettes Zubrot sehen, gibt es jedoch auch diejenigen, deren digitalen Tätigkeiten ihren Hauptverdienst ausmachen. In diesem Zusammenhang wird meist der Begriff „Digitale Nomaden“ verwendet. Oft impliziert dieser Term neben der eigentlichen Tätigkeit – der Arbeit am Rechner – auch das unabhängige Arbeiten von überall, weltweit. Digitale Nomaden können sich ihre Brötchen, Panini oder Pao de Queijo von überall her verdienen. Alles was sie benötigen, sind eine (stabile) Internetverbindung und ein Laptop. Oft sind sie deshalb auf Reisen oder suchen sich für einige Zeit eine neue, temporäre Heimat.

Die Jobs, denen digitale Nomaden nachgehen, könnten dabei verschiedener nicht sein: Von IT-Dienstleistungen über Reiseblogs bis hin zu Übersetzungsjobs ist alles möglich. Eigene Produkte wie E-Books oder Online-Coachings sind ebenso möglich wie kurz- oder langfristige Engagements auf Auftragsbasis. Viele digitale Nomaden starten mit einem Blog und akquirieren darüber Aufträge in ihrem Fachgebiet. Manchen gelingt es, Aufträge aus ihrem vorherigen Büroalltag mit in die Selbstständigkeit zu nehmen. Andere bauen sich ein vollkommen neues Geschäftsmodell auf.

Die Zahl der digitalen Nomaden steigt

Trotz der steigenden Zahl an digitalen Nomaden, stellt diese Form zu Arbeiten für die meisten Menschen immer noch etwas Exotisches dar. Das Interesse daran, wie es Menschen gelingt, sich vom gesellschaftlich akzeptierten 9-to-5-Alltag zu lösen, ist groß. Thorsten Kolsch und Tim Jonischkat geben mit den ersten beiden deutschen Filmen zum Thema „digitales Nomadentum“ Einblicke in den Alltag von Menschen, die es geschafft haben und ihren Lebensunterhalt am Laptop verdienen. Dafür haben sie die bekanntesten digitalen Nomaden aus Deutschland getroffen, um deren Ansichten und Erfahrungen festzuhalten. Arbeiten wird von ihnen nicht als notwendiges Übel angesehen, sondern als bereichernden Teil ihres Lebens. Der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit von festen Arbeitszeiten und gesellschaftlichen Konventionen eint die meisten der digitalen Nomaden. Viele begeistern sich auch für den „Lifestyle“, die Gemeinschaft mit anderen digitalen Nomaden und den Austausch untereinander.

Oft lassen sich digitale Nomaden an Orten nieder, an denen viele Gleichgesinnte anzutreffen sind. Beispiel sind Berlin, Chiang Mai oder Bali. Der Austausch untereinander ist den meisten digitalen Nomaden extrem wichtig, um voneinander zu lernen oder gemeinsam digitale Projekte zu starten. So wird oft in Coworking Spaces zusammen an Ideen getüftelt. Außerdem gibt es mittlerweile zahlreiche Veranstaltungen und Konferenzen, die sich explizit an digitale Nomaden richten. Es werden Kreuzfahrten und Surfcamps organisiert, bei denen sich die teilnehmenden digitalen Nomaden nach dem Kopfsprung in den Pool gemeinsam den Kopf über neue digitale Produkte zerbrechen. Viele digitale Nomaden brennen für die Projekte, die sie alleine oder gemeinsam auf den Weg bringen und verwirklichen sich hierdurch selbst.

Das ortsunabhängige Arbeiten bietet für viele digitale Nomaden jedoch nicht nur rosige Aspekte. Die Euphorie für das Reisen und die Vorzüge dieses Lebens- und Arbeitsstils sind zwar bei den meisten ungebrochen, viele sehnen sich jedoch nach einiger Zeit nach mehr Stabilität und festen Strukturen in ihrem Leben. Alle zwei Tage den Koffer packen und an einen neuen Ort weiterziehen wird zunehmend unattraktiv, längere Aufenthalte an einem Ort oder gar eine neue permanente Bleibe – jedoch meistens im Ausland und nicht mehr daheim in Deutschland – werden zum Ideal erklärt.

Wirklich Reisen und dabei Geld verdienen erklären die meisten der interviewten digitalen Nomaden ohnehin für unmöglich. Schließlich erfordert der Auf- und Ausbau der eigenen Selbstständigkeit Disziplin und Einsatz. Oft sitzen sie dabei länger am Laptop, als sie es in einem deutschen Büro getan hätten. Oder sie fahren nachts um 2 den Laptop hoch, weil ein Auftrag für den deutschen Markt fertig werden muss, sie aber in einer völlig anderen Zeitzone sitzen. Außerdem haben digitale Nomaden – auch solche, die es geschafft haben und sich ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufgebaut haben – meist weiterhin Probleme, Familie, Freunden und Bekannten zu erklären, womit sie ihr Geld verdienen und stoßen auf Unverständnis oder mangelnde Akzeptanz ihres Arbeits- und Lebensstils gegenüber. Dennoch ist für fast alle eine Rückkehr in die gewohnten Strukturen eines 9-to-5-Jobs unvorstellbar.

Die vollständige Selbstständigkeit als digitaler Nomade bietet somit eine Reihe an Vor- jedoch auch einige Nachteile. Für die meisten wird der Schritt in die vollkommene berufliche und örtliche Unabhängigkeit auch einfach eine Nummer zu groß sein. Das Schöne an der digitalen Arbeit ist jedoch: alles kann, nichts muss. Wer als digitaler Nomade durch die Welt reist, hat sich in 100% der Fälle bewusst dazu entschieden. Für alle anderen, die sich diesen Schritt nicht zutrauen, geht es jedoch auch eine Nummer kleiner. Zum Beispiel mit Produktbeschreibungen aus einem Apartment in Stockholm. Oder ab übermorgen wieder aus Nürnberg.

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